Wie dem auch sei, auch ich verbrachte also den ganzen Nachmittag im Pub – man muss sich ja schließlich den lokalen Gepflogenheiten anpassen. Der eigentlich Grund war aber Lucias Freund, der zu Besuch war. Francesco ist nämlich nicht nur Italiener, sondern auch passionierter Rugby-Spieler, was er mit einem schicken Italien-Trikot zur Schau stellte. Leider verlor Italien gegen Irland, während mich ein Ire mit Fragen wie „Do you like watching the game?“ (- „I can’t tell, I’ve never watched a rugby game before“) oder „Have you ever played rugby?“ oder “Do you drive a car?” hartnäckig in eine Konversation zu verwickeln versuchte. (Oder sollte es heißen: Italien verlor gegen Irland, während mich leider ein Ire in ein Gespräch zu verwickeln versuchte?)
Rugby ist ein merkwürdiger Sport, wie ich nach zwei Spielen messerscharf analysieren konnte. Je 15 Spieler der zwei Mannschaften versuchen, Punkte zu erzielen, indem sie einen Ball durch eine Mauer von muskulösen Männerkörpern (was leider nicht so aussieht wie es klingt – die Rugbyspieler der Nationalmannschaften zählen keineswegs zu den Schönheiten des Sports) ans Ende des Spielfelds zu bringen versuchen. Ziemlich oft liegt ein Haufen Männer auf dem Spielfeld, der den Besitzer des Balls unter sich begräbt. Ab und zu wird der arme Ballbesitzer auch am Knöchel über das Spielfeld geschleift. Aber ob das den Regeln entspricht, ist mir noch nicht ersichtlich. Doch – wie mir von Lucia und ihrem Freund versichert wurde – Rugby zählt zu einer der fairsten Sportarten überhaupt. Und brutal ist das ja auch nicht. Nein, nein.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich jetzt theoretisch den Held der irischen Rugby-Mannschaft erkennen kann („They call him God“) und dass Frankreich das Turnier gewonnen hat.
Außerdem erfuhr ich an diesem Nachmittag noch, dass St. Patrick’s Day war. Gut, das hätte ich auch so wissen können, aber immerhin sind wir hier in Frankreich!! Wir wurden dann gleich auf eine St. Patrick’s Day-Fete in einer kleinen Wohnung von irischen Erasmus-Studenten eingeladen. Mit echter irischer Musik, zu der ich netterweise mit meiner Tin Whistle auch ein paar Lieder beisteuern durfte. (Nach einigen Tunes fragte mich mein irischer „Rugby-Freund“ auch direkt: „You play the tin whistle?“, um seinen Katalog an unnötigen Fragen zu vervollständigen.) Zwischendurch sang jede der vertretenen Nationen ein Lied, nur die Deutschen (zu denen ich mich nicht zählte, schließlich war ich mit Italienern gekommen und musste mich somit nicht outen) brauchten bis 1 Uhr, um eines auf die Reihe zu kriegen. Sie hatten vorher stundenlang im Internet nach Texten gesucht. So sind sie halt, die Deutschen.
Jedenfalls haben die musizierenden Iren und ich beschlossen, uns öfter zu Sessions zu treffen. Je suis très contente.
Ob der kurzen Nacht war ich am Sonntag dann auch dementsprechend müde, als es früh morgens los ging nach Spanien. Ja, ich war in Spanien. Und ich war ganz schön überfordert, als ich einen netten älteren Herrn fragen wollte, ob er ein Foto von uns machen könnte. Erstens hatte dieser anscheinend zum ersten Mal eine Digitalkamera in der Hand und sichtlich Spaß beim Knipsen (egal, ob wir grad im Bild waren oder nicht) und zweitens war der gute Mann Spanier, da war ich schnell mit meinem Französisch am Ende. Wir waren übrigens in Figueres, im „Teatre Museu Dalí“, was sehr nett war. Nur immerhin 2,5 Stunden mit dem Bus von hier entfernt. Aber an sich hat es sich gelohnt.
Um die Erzählungen vom Wochenende noch mit einigen Neuigkeiten aus dem Praktikum abzuschließen: Diese Woche ist mir nichts Peinliches passiert. Außer, dass ich beim Öffnen des Fensters Wasser über die Unterlagen meines Profs geschüttet habe. Aber das ist schnell wieder getrocknet, ist ja schließlich warm hier. Und ich merke jetzt nach und nach, dass ich ein Bioinformatik-Praktikum mache. Denn ich sitze nicht nur den ganzen Tag vorm Computer, sondern greife mit meinem Laptop auch noch auf einen anderen Computer zu, um Sequenzen mit bestimmten Programmen zu bearbeiten, sie zum Beispiel aneinander zu hängen. Ich bin zuversichtlich, dass ich diese Woche weitere kleine Teilerfolge im Verstehen meiner Aufgabe erzielen werde. On verra.
Rugby-Verrückte

Frederico und Lucia – leider ist das Bild unscharf. Die irischen Spieler sahen wirklich so aus wie auf der Tafel dargestellt.

Musizierende Iren (+ Italiener und Spanier)


Singende Iren

Wir in Roses auf dem sinkenden Schiff – der ältere Herr übte noch beim Fotografieren.

Das Dalí-Museum von außen

Das Dalí-Museum von innen

Werk von Dalí

Und noch einige Bilder von Montpellier und dem Etang bei Palavas:





4 Kommentare:
Hallo Cat und alle Leser, die sich für das folgende Kommentar interessieren (werdet ihr ja erst wissen, wenn ihrs geleden habt!!:P),
Querflöte spielende Leute find ich gut!
Morgen ist hier in Mainz auch das Festival of Irish Folk Music (Irish Spring 2007) im Frankfurter Hof. Leider sind hier alle im Zwischenprüfungsstress und kommen nicht mit. Vielleicht geh ich alleine hin oder es findet sich noch jemand.
Heute hat auch das F1 angefangen. Die nächsten drei Tage ist unsre Gruppe im Spurenlabor. Wir müssen, dann jeden Tag komplett frische Klamotten anziehen, dürfen nicht an den Toiletten und Aufzugen vorbeilaufen, müssen die Toiletten im 1. oder 3. Stock benutzen und mussen uns in der Schleuse 1 bis auf die Unterwäsche ausziehen.
Juchee!
Lieben Gruß.
Querflöte spielende Leute find ich doof!
So, da muss ich ja mal ein Machtwort sprechen:
Lass Dich nicht ärgern, Doro. Und wer schreibt hier was Negatives über Querflöten ohne sich zu outen? Von Akkordeons kenn ich das ja...
Und: juchuuuu, ich hab ENDLICH Internet zu Hause.
ich schreibe negatives über querflöten. ich ich ich.
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