Mit dieser Schreckensnachricht, die mich Samstag auf einer Party von einer Amerikanerin (richtig coole Wohnung!) erreicht hat, fange ich gleich an. Auch wenn es jetzt schon ein Jahr her ist, mir war’s neu: Ernie und Bert gibt es in Amerika nicht mehr. Irgendwelche amerikanischen konservativen Organisationen haben beschlossen, dass zwei Sesamstraßen-Puppen nicht vor den Augen von Millionen Kindern in einem Zimmer schlafen können. Homosexualität und dann auch noch öffentlich, das darf nicht sein. So haben die Produzenten sich dem Druck gebeugt und Bert an Krebs sterben lassen.
Um mit der Neon-Frage zu sprechen: In was für einer Welt leben wir eigentlich?
(Mal abgesehen davon, wie absurd es ist, dass Ernie und Bert schwul sind und dass Kinder sich darüber Gedanken machen würden: Sind die eigentlich völlig bekloppt da drüben??)
Aber so richtig viel mit Frankreich zu tun hatte dieser Absatz ja zugegebenermaßen nicht und immerhin ist das hier ein Blog über Frankreich.
Also jetzt einiges über Frankreich, was nicht so verrückt ist wie (einige) Amerikaner, aber mir nichtsdestotrotz nicht aus dem Kopf geht:
Ich weiß immer noch nicht, warum sie es hier in Montpellier nicht hinkriegen, in der recht neuen Tram die Haltestellenansagen mit dem Tempo der Bahn in Einklang zu bringen. Ein paar Mal wäre ich schon viel zu spät ausgestiegen, weil die Tram ziemlich oft zwei Haltestellen hinterher hängt. Sollte von Euch jemand mal nach Montpellier kommen: attention.
Außerdem war ich gestern am Strand, was wirklich ganz schön war. Bei 20 Grad in der Sonne (im Schatten war’s sehr viel kälter) lagen dort (so nehme ich an) französische ältere Damen mit Lederhaut – im Bikini. So ein Durchhaltevermögen möchte ich mal haben. Aber so aussehen möchte ich später nicht.
Eine weitere Kuriosität: Der Name „Thorsten“ kann französisch ausgesprochen werden, wie ich gestern am Strand erfahren hab. Eine Frau rief ihren Hund so.
Dann kann ich mich immer noch nicht dran gewöhnen, dass die Tram-Fahrer an roten Ampeln (oder das Äquivalent dazu, die Busampeln haben bei uns ja auch keine Farben) einfach mal eben aussteigen und die Ampeln auf grün stellen, wenn’s ihnen zu lange dauert.
Oder ich extra durch die ganze Stadt fahre, um Sonntagmorgens schwimmen zu gehen und die Halle einfach mal geschlossen hat, weil irgendwelche nationalen Schwimmwettbewerbe stattfinden. Warum sollte man das im Internet auch ankündigen?
Ferner kommen einem hier wirklich die plumpesten Anmachsprüche zu Ohren. Als ich Samstag mit Lucia in Sète war, einer Kleinstadt am Meer, 15min mit dem TGV von Montpellier entfernt, hielt ein Auto mit 3 Männern neben uns an. Es entwickelte sich sinngemäß folgender Dialog: „Wo geht’s denn hier zur Innenstadt?“ – „Wissen wir nicht, wir sind selbst Touristen“ – „Ach super, steigt ein!“ Muss man da noch was zu sagen? An Selbstbewusstsein mangelt’s hier vielen nicht.
Das reicht dann aber auch für diesen Eintrag über Land und Leute. Über mein Praktikum sei noch gesagt, dass ich heute endlich Sequenzen angeschaut habe und etwas stupide Lücken gezählt habe. Morgen darf ich das Ganze dann per Hand in einem Stammbaum verpacken. Und bald gibt es dann dafür Computerprogramme.
Mit ECTS-Punkten (deren System ich als altmodische Magister-Studentin immer noch nicht so ganz durchschaut habe) sind sie übrigens sehr geizig hier. Aber ich denke, ich werde meine 18 für das Praktikum zusammen kriegen. Doch – wer hätte es erwartet – einen faulen Lenz machen werde ich mir hier dann wohl doch nicht. Egal, Uni fast am Meer hat auch was.
Und zum Schluss noch: Mein Vormieter hat mir versichert, dass meine Wohnung nach der Party am Freitag noch steht. Ich hab die Hälfte ja nicht mitbekommen, weil ich mal wieder die letzte Tram um 1h nehmen musste. Jetzt ist aber erwiesen, dass über 50 Leute gleichzeitig in die Wohnung passen. Die nächste Feier kann also kommen. Und das wird sie bestimmt.
2 Kommentare:
Ich bin masslos stolz auf dich, dass du das blog zum laufen gebracht hast!
Es klingt alles, als haettest du wahnsinns Spass! Die vielen kleinen seltsamen unetrschiede machen doch alle nur interessanter oder jedenfalls geht es mir hier so. :)
Und Amis sind echt komisch.
Ganz liebe Grüsse,
Eva-Maria
Ich teste auch mal eben das Hinterlassen anonymer Botschaften
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