...überleg Dir gut, ob Du annimmst. Denn sich bekochen oder einladen zu lassen ist hier nicht gleichbedeutend mit einem gemütlichen Abend. Sollte man als unbedachte Deutsche nicht darauf kommen, dass die Annahme einer Essenseinladung hier als enorme Sympathiebekundung und mehr angesehen wird, könnte der Gastgeber nach dem Essen und dem fehlenden Dessert sehr enttäuscht sein.
Ich habe es zugegebenermaßen auch erst nicht geglaubt, als ich gewarnt wurde. Nach einem Gespräch mit einer Spanierin allerdings wurde mir klar, dass die Südländer allgemein etwas andere Vorstellungen vom Kennenlernen haben als wir. Wäre mir ein Franzose über den Weg gelaufen, den ich nett gefunden hätte (wohlgemerkt, nett, mehr nicht!) und der mich zum Essen eingeladen hätte, hätte ich dies vermutlich freudig angenommen. So einen Abend lang Französisch sprechen (!) tut doch der Sprachentwicklung sehr gut.
Eine Freundin erzählte mir übrigens, dass sie gleich zwei Liebesbekundungen bekommen habe, nachdem sie sich etwas länger mit Franzosen unterhalten hatte. Man sollte also auf der Hut sein, wenn man nicht gleich eine „relation amoureuse“ (O-Ton Freundin) haben möchte.
Ohnehin ticken unsere geschätzten Nachbarn etwas anders, was aus dem vorletzten Eintrag ja spätestens ersichtlich geworden sein sollte. Vor kurzem zum Beispiel beschloss ich, das von meinem Vormieter übernommene Mountainbike doch lieber fahrtüchtig machen zu lassen. Meiner (deutschen) Meinung nach sind Bremsen und Licht fürs sichere Fahren recht essentiell.
Ein Herr zwischen 40 und 50 bediente mich dann auch im Fahrradladen – in Anzughose und Pullover, unter dem der Hemdkragen hervorlugte. Dass sein gepflegtes Outfit unter der Montage, die als anscheinend alleiniger Monteur höchstpersönlich vornahm, nicht unerheblich litt, schien dabei nur Nebensache zu sein. Gleichzeitig fragte er mich diverse Male, ob ich wirklich auch vorne Licht haben wolle oder ob hinten genügen würde. Das war allerdings auch das Einzige, das er von sich gab, bis er sich zu einem Lächeln hinreißen ließ, als ein anderer Franzose lauthals schief und (so vermute ich) Englisch singend an uns vorbei trabte.
Eine weitere erwähnenswerte Kuriosität, die allerdings nicht unbedingt mit kulturellen Unterschieden zusammen hängen muss, ist die von mir heute erhaltene Mail meines Professors. Unter einer offiziellen Einladung zu einem Vortrag (« Application des méthodes de morphométrie géométrique 3D à l’étude des primates actuels et fossiles ») sah ich seine Signatur – Professor so und so des instituts XY, soweit nichts Ungewöhnliches. Der letzte Satz der Signatur ließ mich dann aber doch aufhorchen, mir lachte da die weise Erkenntnis entgegen: „To keep milk from turning sour, keep it in the cow!“ Man lernt nie aus, sowohl was Lebensweisheiten als auch was Professoren betrifft.
Ich sollte mich hier aber nicht über seltsame Angewohnheiten der Franzosen mokieren, denn ich kann nur ahnen, was in unserem Büro seit letzter Woche von den Deutschen – sprich: mir – gedacht wird. Am Freitagmorgen kam ich als erste ins Büro und entdeckte voller Schrecken ein verpacktes Billy Boy-Kondom, das jemand auf meinen Platz gelegt haben musste.
Siedend heiß wurde mir klar, dass dies mir am Tag vorher aus der Tasche auf den Boden gefallen sein musste und mein Professor (oder hoffentlich das Reinigungspersonal!) es sorgsam aufgehoben und auf meinen Platz gelegt hatte. Den Tag zuvor hatte ich mich noch bei Lucia darüber gewundert, was ich eigentlich alles in meinem Rucksack habe (Werbegeschenke von irgendwelchen Parteien, Kondome sind da ja immer trotz Geburtendefizit stark in Mode) und warum ich den nie aufräume. Am Wochenende hab ich das jetzt aber gründlich nachgeholt.
Ich habe beschlossen, gegenüber meinen Kollegen Stillschweigen zu bewahren und so zu tun als ob nichts passiert ist.
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Wochenende: Es war wieder einmal schön und diesen Sonntag am Strand schien sogar noch mehr die Sonne. Und es war sehr viel mehr Wind, was dazu geführt hat, dass mein gerade aufgeräumter Rucksack jetzt unzählige Sandkörner enthält (die werden dann aber – sollten sie im Büro herausfallen – vermutlich nicht auf meinen Platz gelegt).
Mein Umzug ist auch ohne Probleme über die Runden gegangen und bis auf die Tatsache, dass in meiner Wohnung auch tagsüber Dämmerung herrscht (worüber ich im Sommer vermutlich mehr als froh sein werde), ist alles super. Ich bin in fünf Minuten im botanischen Garten und ebenso schnell am Knotenpunkt des historischen Stadtzentrums. Und zur Feier des Einzugs werde ich mich Donnerstag beim Abendessen (nicht mit Franzosen, sondern mit Italienern und meinen ehemaligen Mitbewohnerinnen) Kartoffelsalat machen. Typisch deutsch eben. Man muss ja die Stereotype wahren.
6 Kommentare:
Ich finde ja, es kommt aufs Essen an!
jaja erst die franzosen mit kondomen scharf machen und dann nicht dessert spielen wollen.
les Liaisons Dangereuses, n'est pas?
das war ich, wie krieg ich denn hier meinen namen rein ohne mich anzumelden?
Timo <-- nur so?
Ja Timo,
das geht tatsächlich: statt auf anonym zu klicken unter dem Kommentareingabefeld (in der deutschen Sprache kann man wirklich alles wild aneinander hängen!) gibt's du "Sonstiges" an und dann kannste da Deinen Namen eingeben.
soso
Hallo.
Ich mochte mit Ihrer Website catenfrance.blogspot.com Links tauschen
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