Tadda – ich habe einen nagelneuen Rechner. Das heißt, ich habe jetzt auch keine Ausrede mehr, warum ich nichts mehr von mir hören lasse. Und im Moment funktioniert sogar das Internet zu Hause – was könnte schöner sein.
Leider weiß ich gar nicht mehr so genau, was ich die letzten drei Wochen so getrieben habe, aber es war auf jeden Fall bestimmt eine schöne Zeit.
In Toulouse waren wir wie geplant, aber da richtig schlechtes Wetter war (Regen, Regen und ab und zu noch Regen), haben wir beschlossen, unsere Übernachtungspläne über den Haufen zu werfen und abends den letzten Zug zurück nach Montpellier zu nehmen. Dafür wurde unser Schauspieltalent gefordert, denn Karo und ich erklärten dem sehr, sehr, sehr unfreundlichen (und unsympathischen!) Hoteltypen (es war nicht so genau rauszufinden, welche Funktion er erfüllte außer Gäste angrummeln) in unserem verzweifelsten Französisch, dass eine unsere italienischen Freundinnen ins Krankenhaus musste und wir mit ihr zusammen auf ihre Eltern warten und zurückfahren würden. Klar, die Eltern kommen halt auch aus Italien angereist, mal eben so innerhalb von ein paar Stunden. Zu dieser Notlüge mussten wir übrigens nur greifen, weil wir dummerweise unsere Sachen vorm Einchecken unter der Treppe im Hotel verstaut hatten und uns besagter Hotelmensch dabei erwischte, wie wir sie nahmen und abhauen wollten. Der unfreundliche Mann war nicht sehr überzeugt und wurde noch unfreundlicher, was uns aber nicht störte.
Der Tag in Toulouse war trotzdem OK, Bilder folgen bei Gelegenheit, wenn ich sie mir von den anderen geholt habe.
Dann hieß es noch einen Tag Kanu fahren, wo genau, weiß ich immer noch nicht. Irgendwo hier im Hinterland, ich bin einfach mal so mitgefahren. Wir haben es geschafft, eine Strecke von 8 Kilometern aufs Doppelte zu verlängern, da wir erst zwei Minuten vor dem Ziel rausgefunden haben, wie man so ein Kanu eventuell steuern kann, und deshalb vorher immer schön von einem Ufer zum anderen getrieben sind. Erstaunlicherweise hat uns aber nichts aus dem Boot werfen können, weder Stromschnellen (jetzt weiß ich, was eine Wildwasserbahn imitiert) noch ein Wehr, über das wir zusammen mit einer Horde Halbwüchsiger fuhren, deren Betreuer uns hinterher schrieen, weil wir ihrer Meinung nach die falsche Abzweigung nahmen. Jedenfalls war der Tag super, die Landschaft weg vom Meer ist auch wirklich schön.
Besuch aus Mainz hatte ich auch noch über Pfingsten, von vier vergesslichen Mädels (bzw. drei ;)). War eine sehr schöne Zeit mit fliegenden Nashörnern, roten Gesichtern, einem wunderschönen Bergdorf (das sich St. Guilhem de Désert nennt) und jeder Menge gutem Essen. Davon hab ich jetzt auch Fotos, die ich direkt mal dranhängen werde.
Das Praktikum wird mittlerweile doch tatsächlich etwas stressig, weil ich überfordert bin. Anscheinend hatte ich das am Anfang doch nicht missverstanden, dass ich einen Artikel über meine Ergebnisse schreiben soll. Zwischenzeitlich war dieser zu einem Bericht (Rapport) degradiert worden, mittlerweile ist wieder ein Artikel auf Englisch mit Abstract, Methods, Discussion, Conclusion usw. draus geworden. Ich habe ehrlich gesagt noch nicht angefangen und frage mich auch, was das werden soll. Momentan schlage ich mich noch mit der Präsentation meiner Ergebnisse herum, die nächsten Freitag vorm gesamten Labor stattfindet. Da dürfen dann aber keine Steine mit Füßen verwechselt werden!
Ach, und für alle, die sich noch für französische Politik bzw. Aufstände interessieren: während dem zweiten Wahlgang und dem Sieg Sarkozys war ich ja in Barcelona und habe nicht allzu viel mitbekommen. In Toulouse lächelte einem aber von jedem Zeitungsstand das hübsche Sarkozy-Konterfei entgegen, weil jede Zeitung ein Interview mit dem neuen Präsidenten abdruckte.
Vor ca. zwei Wochen war hier eine spontane Demo gegen Sarkozy, die ich im Abklingen auf dem Weg zu einer Party sah. Polizei mit Schutzschilden überall, nur Demonstranten waren keine mehr zu sehen. Ein deutscher Erasmus-Student (den ich allerdings nicht kenne) wurde mit Einkaufstüten in der Hand auf dem Weg zu seiner Wohnung, der ihn durch die Demo führte, verhaftet und saß in Untersuchungshaft. Demnächst ist der Prozess, er soll angeblich einem Polizisten eine Flasche an den Kopf geworfen haben. Unschuldige Ausländer mit Monoprix-Tüten in der Hand auf dem Weg zu ihrer Wohnung können ja auch echt gefährlich sein. Die spinnen, die Franzosen.
Und hier noch ein paar Bilder:
Botanischer Garten in Mainz, jede Menge Bambus:

Das Foto hat uns ein Parkwächter aufgedrängt: weil wir doch alle fröhlich leben sollen! (siehe Inschrift hinter uns: Vivez joyeux):

In Nîmes waren über Pfingsten die Férias, die ganze Stadt ein einziges Fest. Hier betrachten wir fasziniert die Arènes, später waren wir dann eher abgeschreckt von der Grausamkeit der Stierkämpfe, die dort während des Festes stattfanden. Wir haben diese Kämpfe nicht gesehen, dafür aber die Fleischerwagen vor den Arenen, die die getöteten Tiere abholten:

Schreiender Baum im Park von Nîmes:

Und Kletten is hier eindeutig verboten, das ist nämlich gefhärlich (Auf dem Schild steht: "GEFHAR das kletten auf dem monument ist strengstens verboten"):

Alter Turm im Nîmer Park:

Als Anthropologen mussten wir natürlich auch in den Zoo von Montpellier, und beobachteten direkt fliegende Nashörner:

Während ich im Büro malochte, machten Doro, Eileen, Maike und Sarah am Strand schöne Bilder von Palavas:

Abends waren wir dann aber lecker französisch essen, dank einem Tipp von Sarah (vorne rechts), die hier für ihr Staatsexamen lernt:

Wir touri-like vor der Kulisse von St. Guilhem:

St. Guilhems Gassen sind alle so schön:

Und die Umgebung ist auch super, hier die Sicht von oben aufs Dorf:

Essen gab’s dort auch, mehr oder weniger leckere Lollis (meiner eher mehr, Eileens eher weniger man erkennt’s am Abknabberungsgrad)

Und der Fluss bei St. Guilhem:

Zu guter Letzt darf natürlich nicht das obligatorische Küchenfoto fehlen, hier noch einmal nametlich genannt (von links nach rechts) seien Eileen, Sarah, Maike und Doro: